Dialog on Sight

Yasmin Alt & Sebastian Biskup

Kuratiert von Michaela Richter

 

Eröffnung: 17. April 2014 – 18-21 Uhr

Ausstellung: 18. April – 21. Juni 2014

 

Künstlergespräch – Bagel Brunch: Sonntag, 4. Mai 2014 – 12-14 Uhr

Kuratorenführung: Montag, 2. Juni 2014 – 19 Uhr

 

Press Release

(download PDF – Deutsch)

(download PDF – English)

 

ROCKELMANN& freut sich, Ihnen die Ausstellung “Dialog on Sight – Yasmin Alt &  Sebastian Biskup”, kuratiert von Michaela Richter, zu präsentieren. Die Ausstellung zeigt  eine Auswahl der Arbeiten von Sebastian Biskup und Yasmin Alt. Beide Künstler vereint das Interesse daran, wie Struktur-Elemente bestimmte Wahrnehmungsräume prägen, wie deren Eigenschaften ins Kippen gebracht und so deutlich gemacht werden können.

 

Auf jeweils eigene Weise widmen sich Alt und Biskup der Untersuchung von und dem Spiel mit grundlegenden Bestandteilen bestimmter visueller Sprachen und ihrer Ästhetik, sowie dem Verhältnis von Zwei- und Dreidimensionalem. Im Dialog der präsentierten Arbeiten lassen sich Gemeinsamkeiten und Gegensätze der künstlerischen Ansätze erkennen, die beide danach fragen, was unseren Blick lenkt, sich dabei jedoch unterschiedlichen Räumen widmen. Aufgrund dessen sowie ihres unterschiedlichen Umgangs mit Systematik und Improvisation ergänzen sich beide Positionen in ihren Beobachtungen.

 

Sebastian Biskups Arbeitsweise ist stark durch eine konzeptualisierte Auseinandersetzung mit formalen Prozessen geprägt. Mittels streng gesetzter abstrahierender und reduzierender Methoden versucht er, die Elemente, die unsere Sehgewohnheiten bestimmen sowie ihr Verhältnis zueinander sichtbar zu machen. Ausgangspunkt ist die Frage, wie der Blick sich im Bildraum orientiert, wie unsere Wahrnehmung beeinflusst wird – und wie schon Layout und Design, noch vor figurativen Elementen und textlichen Inhalten, Bedeutung erzeugen.

 

Wenn Biskup etwa die Gestaltung von Einladungskarten, Zeitungsseiten, Gemälden oder, wie in seinen neuesten Arbeiten, Bilder von Wrestling-Veranstaltungen untersucht, stellt er die Frage danach, wie optisch Stimmung, Bedeutsamkeit, Neuigkeitswert und Sehenswürdigkeit impliziert werden.

 

Dabei macht Biskup keinen Unterschied zwischen Hochkultur und Trash: Meisterwerke der Malerei verschiedener Epochen, Boulevardblätter, Werbespots und TV-Shows dienen ihm gleichermaßen als Material. Indem er die hier präsentierten Farbtöne und -flächen analysiert, zusammenfasst und auf Mittelwerte, simple geometrische Formen oder bloße Umrisse herunterbricht, verflacht er den Bildraum des Zweidimensionalen immer weiter, bis die Illusion von Tiefe und die gezielte optische Erzeugung von Atmosphäre in ihren Bedingungen klar zutage tritt.

 

Auch Yasmin Alt widmet sich der Zerlegung, Neu-Zusammensetzung und Betonung visueller Aspekte, arbeitet dabei jedoch mit nahezu spielerisch wirkenden und zugleich sehr klaren Objekten, die ihren Ursprung in architektonischen Elementen haben. Deren Rhythmik, Materialität, Funktionalität und Präsenz spürt Alt nach, indem sie sie ihren ursprünglichen Zusammenhängen entreißt und dann ungewohnt für sich stehen lässt oder in neue Kombinationen einbringt.

 

So verweist „Auf der anderen Seite“ (2012) auf Stützkonstruktionen, wie sie beispielsweise hinter Schallschutzwänden zu finden sind und deren mathematischer Charakter hier deutlich wird. Die an ihren langen Enden miteinander verbundenen Holzstreben des Objekts verwirren den Blick. Dieser erfasst immer neue Dreiecke, die jedoch physisch tatsächlich nie abgeschlossen sind und so der nur sich selbst tragenden Struktur eine Fragilität verleihen, die ihrem Ursprung zu wiedersprechen scheint. Ähnliche Irritationsmomente finden sich auch bei „Two Towers“ (2014). Hier kommt zusätzlich Alts geschickte farbliche Bearbeitung von Oberflächen ins Spiel, die 3D-Effekte entstehen und so Begrenzungen und Tiefe der Objekte optisch changieren lässt.

 

Für „Die Erinnerung ist etwas unscharf“ (2012) hat Yasmin Alt die auf italienischen und portugiesischen Häusern als Fassadenverzierung zu findenden Pyramidal-Strukturen (Diamantrustika) um ein vielfaches vergrößert, so dass diese plötzlich nicht mehr als Beiwerk, sondern als Hauptgegenstand in den Fokus der Betrachtung rücken. Verstärkt wird dies noch durch den ovalen Rahmen, mit dem Alt die Formation eingefasst und zugleich verschmolzen hat.

 

Dieses Aufspüren, Umwandeln, Übertragen und Hervorheben des scheinbar Selbstverständlichen und leicht Übersehenen ist beiden künstlerischen Herangehensweisen von Sebastian Biskup und Yasmin Alt gemein und zeichnet diese aus. Ihr spezifischer Umgang mit Formen, Farben und Gegenständlichkeit verleiht ihren Arbeiten eine Präsenz und Dynamik, die nicht nur eine neue Sicht auf deren Ausgangspunkte entwirft, sondern sie zugleich als ästhetische Objekte für sich interessant macht.

 

Beim Eröffnungsabend am 17. April 2014, von 18:00 bis 21:00 Uhr, werden die Künstler anwesend sein. Für weitere Fragen und Informationen kontaktieren Sie bitte Markella Ntavou per Email an: info@rockelmann-and.com

 

Mit großem Dank an die Alfred-Ehrhardt-Stiftung für den technischen Support und Jens Heller für die Unterstützung.

Sebastian Biskup